Frau Bitter und Frau Bös
sitzen in ihrem Lieblingsrestaurant in Zürich. Mittlerer Preis, grosse
Portionen, währschafte Küche. Die beiden Frauen essen zu Mittag, einsam an
einem Tisch draussen auf der überdachten Veranda – im Oktober. Es nieselt, die
Temperaturen sind knapp noch zweistellig und ein grauer Nebel liegt über allem.
Frau Bitter hat ihre Lederjacke und den Schal gar nicht erst ausgezogen. Sie
rührt ziemlich lustlos in ihrer heissen Kürbissuppe, während Frau Bös ihr
demonstrativ in einem dünnen Sweat-Shirt gegenübersitzt und sich einen grossen
gemischten Salat reinschaufelt.
„Marianne“, Frau Bitter
lockert etwas ihren Schal, damit er ihren Mund nicht mehr verdeckt, „können wir
nicht doch lieber reingehen? Mir ist wirklich kalt.“
Frau Bös kuckt gar nicht
erst auf von ihrem Teller, sondern macht nur mit der linken Hand eine Stop-Bewegung
wie ein Verkehrspolizist an einer Kreuzung, während sie mit der Gabel in der
rechten Hand ein paar Maiskörner auflädt. „Müssen wir das wirklich noch einmal
diskutieren, Monika? Jetzt stell dich nicht so an!“
„Aber es ist tiefer Herbst...“
„Es ist sehr später
Spätsommer!!“, Frau Bös lässt die Gabel in ihren Teller scheppern und schaut
ihre Freundin wütend an. „Und ich weigere mich, im Spätsommer drinnen zu
sitzen!“
Frau Bitter lässt von ihrer
Suppe ab und verschränkt die Arme, in der Hoffnung, so etwas wärmer zu
bekommen. Den Schal zieht sie sich wieder bis unter die Nase. „Dann zieh
wenigstens eine Jacke an. Du holst dir ja sonst noch den Tod.“
„Hab keine mit.“ Frau Bös
beginnt wieder zu essen.
„Vielleicht können wir
fragen, ob sie so einen Wärmepilz haben. Den könnten sie dann neben uns
hinstellen“.
„Ich hab warm genug.“
Frau Bitter verdreht die
Augen. Ein kalter Windstoss zerzaust ihr die langen, braunen Wellen. „Dann
bestell ich mir jetzt eine heisse Schokolade“, murmelt sie durch den dicken Stoff
vor ihren Lippen.
„Spinnst du?? Im Sommer?!“,
schmatzt Frau Bös laut, den Mund voller Salat. Ein paar Passanten, die mit
Regenschirmen am Restaurant vorbeigehen, drehen neugierig ihre Köpfe.
„Es ist Herbst, Marianne,
HERBST!!! Jetzt akzeptier das doch endlich!“
„Es ist Herbst, wenn ICH
das sage!“, Frau Bös’ Augen blitzen wieder, und sie bläst sich kauend den
dunklen Pony aus der Stirn, wie sie es immer tut, wenn sie sehr erregt ist.
Ihre Freundin versucht sie zu beschwichtigen, um nicht noch mehr neugierige
Blicke auf sich zu ziehen.
„Ist ja gut. Jetzt sei doch
nicht so. Herbst ist doch gar nicht so schlimm. Kuck dir nur mal die Bäume an
mit diesen hübschen bunten Blättern.“
„Ich seh keine Bäume vor
lauter Nebel. Ich seh nur grau.“
„Es wird doch wieder
Sommer, Marianne. Dauert gar nicht so lange.“
Frau Bös unterbricht ihr
Kauen für einige Sekunden und blickt auf. Ihre Stirn wirft tiefe Falten. „Nein.
Es liegen ja nur Herbst, Winter und Frühling dazwischen. Wie doof bist du
eigentlich?“
Wieder fegt ein eisiger Windstoss über die
Veranda. Frau Bös lässt sich in ihrem dünnen Oberteil nichts anmerken, aber
Frau Bitter vergräbt ihr Gesicht noch tiefer im Schal. „Du kannst die Jahreszeiten
nicht ändern.“
„Will ich ja auch gar
nicht. Wie du siehst, sitz ich auch bei Regen und Wind draussen. Kein Problem.“
„Jetzt sei doch nicht so
miesepetrig!“, Frau Bitter beugt sich über den Tisch und schaut ihrem Gegenüber
eindringlich in die Augen. “Freu dich doch auf nächstes Jahr, wenn es wieder
Sommer wird und wir wieder jeden Abend am See sitzen können mit einem Bier in
der Hand. Da ist das bisschen Herbst jetzt doch ein Klacks dagegen!“
Frau Bös hat ihren Salat
aufgegessen. Sie legt die Gabel neben den Teller und wischt sich mit der
Serviette die Saucenreste von den Mundwinkeln. Als sie den letzten Bissen
runtergeschluckt hat, lehnt sie sich zurück und verschränkt die Arme.
„Jetzt begreif es endlich:
ich hasse Herbst. Ich hasse eigentlich alles, was nicht Sommer ist. Also, hör
endlich auf, mich wie ein Kind zu behandeln!“, sie äfft ihre Freundin mit einer
albernen Stimme nach: „Zieh dich warm an,
Schatz! Und trink jetzt deine heisse Milch, sonst erkältest du dich noch!
Nächstes Jahr gibt’s dann wieder Glacé in der Badi! Ehrlich, du bist so
albern, Monika! Ein bisschen Oktober, und du machst schon schlapp!“
Frau Bitter seufzt laut, rutscht
etwas tiefer in ihren Stuhl und vergräbt fast ihr ganzes Gesicht im Schal. Ihr
ist einmal mehr klar geworden, dass Frau Bös ihre Argumente nicht akzeptieren wird.
Dafür akzeptiert sie dann den
Blumenstrauss, den Frau Bitter ihr eine Woche später ins Spital mitbringt. Frau
Bös liegt dort mit einer Lungenentzündung im Bett, das weisse Laken bis über
die Nase hochgezogen.
08uyIch bin reich geworden mit diesem programmierten gehackten programmierten Geldautomaten
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